Am 28. März 2026 fand in Löbau der Landesparteitag der AfD Sachsen statt. Die Veranstaltung war geprägt von personellen Bestätigungen an der Spitze, aber auch von intensiven Diskussionen und sichtbar differenzierten Abstimmungsergebnissen.
Im Mittelpunkt stand die Wiederwahl der bisherigen Führung: Jörg Urban wurde erneut zum Landesvorsitzenden gewählt, und Jan Oliver Zwerg wurde in seinem Amt als Generalsekretär bestätigt. Allerdings fiel das Ergebnis im Vergleich zum vorherigen Parteitag etwas weniger deutlich aus. Dies deutet weniger auf inhaltliche Spaltungen als vielmehr auf Differenzen bei Personalentscheidungen innerhalb der Partei hin. Sebastian Wippel, einer der stellvertretenden Vorsitzenden der AfD und Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters in Görlitz, wurde auch mit großer Mehrheit wieder gewählt.

Auch eine Delegation der tschechischen Partnerpartei SPD (nicht zu verwechseln mit der deutschen SPD) – „Freiheit und direkte Demokratie“ unter Führung von Milan Urban, der eine Grußadresse hielt, besuchte den Parteitag. Die Zusammenarbeit zwischen SPD und AfD wird in jüngster Zeit zunehmend ausgebaut.

In der politischen Ausrichtung zeigte sich die Partei hingegen geschlossen. Die Redebeiträge und Diskussionen machten deutlich, dass ein gemeinsames Ziel im Mittelpunkt steht: eine grundlegende politische Kurskorrektur für Deutschland. Mehrfach wurde dabei der Anspruch formuliert, den aus Sicht der Partei seit den Regierungsjahren Angela Merkels eingeschlagenen und von der Ampel fortgeführten politischen Kurs zu beenden und durch eine bessere Politik zu ersetzen, die stärker auf nationale Interessen, wirtschaftliche Stabilität und gesellschaftliche Ordnung ausgerichtet ist. Dieser Kurs sei – so die Darstellung vieler Redner – in den vergangenen Jahren auch von Grünen und SPD mitgetragen worden.
Tatsächlich waren die Debatten in Löbau von einer ungewöhnlich hohen Beteiligung und teilweise kontroversen Wortmeldungen geprägt. Nicht jeder Kandidat erhielt uneingeschränkte Zustimmung, und mehrere Abstimmungen zeigten ein differenziertes Meinungsbild unter den Delegierten. Gerade diese lebendige Diskussionskultur wurde von vielen Teilnehmern als Ausdruck innerparteilicher Demokratie gewertet. Die AfD ist eine junge Partei und viele ihrer Mitglieder lehnen die nach fast 80 Jahren verknöcherten und korrupten Strukturen der Altparteien ab.
Inhaltlich setzte der Bundesvorsitzende Tino Chrupalla einen markanten Akzent in der außenpolitischen Debatte. In seiner Rede forderte er den Austritt Deutschlands aus der NATO, die er als „Kriegsinstitution“ bezeichnete. Zugleich sprach er sich für den Abzug amerikanischer Truppen aus Deutschland sowie für die Schließung entsprechender Militärstützpunkte aus.

Der Landesvorsitzende Jörg Urban betonte, dass die AfD sich systematisch darauf vorbereiten muss, auch vor dem Superwahljahr 2029 (Sachsen, Bund und Europa) Regierungsverantwortung zu übernehmen, da nach den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern Bewegung in die politische Landschaft Deutschlands eintreten könnte. Die AfD steht kurz davor, in Sachsen-Anhalt die absolute Mehrheit zu erreichen, und in beiden Bundesländern kann die CDU, wenn die AfD nicht die absolute Mehrheit erringt, nur durch Zusammenarbeit mit der Nachfolgepartei der SED regieren.
Ein weiterer zentraler Punkt war die Selbstverortung der AfD als stärker basisdemokratisch geprägte Partei im Vergleich zu etablierten politischen Kräften. Unterstützer sehen hierin einen eklatanten Unterschied gegenüber CDU, SPD, Grünen und Linken.
In diesem Zusammenhang wurde auch die Rolle der Medien thematisiert, insbesondere die des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, der das letzte Bollwerk der Altparteien ist und von diesen ohne Rücksicht auf Verluste instrumentalisiert wird.

Erstmals kamen bei diesem Parteitag elektronische Stimmgeräte zum Einsatz, wodurch der Ablauf deutlich beschleunigt wurde. Das Erstellen von Wahlzetteln, das Austeilen, das Einsammeln und das Auszählen nahmen in der Vergangenheit erheblich mehr Zeit in Anspruch, sodass Parteitage oft 2-3 Tage dauerten. Der Parteitag konnte dadurch bereits am Samstag gegen 19 Uhr abgeschlossen werden.
Ein symbolträchtiger Schlusspunkt markierte den Abschluss der Veranstaltung: Einvernehmlich sangen die anwesenden Delegierten die deutsche Nationalhymne a cappella.
Insgesamt präsentierte sich der Parteitag als Mischung aus Stabilität und innerer Bewegung: Die Führung bleibt, die Partei zeigt sich in zentralen politischen Fragen geschlossen, während Personalfragen offen diskutiert werden.
